Kunst aus Knochenporzellan – eine experimentelle Materialforschung

Die Erforschung von Knochenporzellan und dessen praktische Anwendung in der Kunst sowie in angewandten Bereichen stehen im Mittelpunkt dieses Projekts.

Beleuchteter Baumschwammerl aus Knochenporzellan (Foto: M. Salg)

Vor mehreren Jahrhunderten wurde das sogenannte Knochenporzellan – oder auch Fine Bone China – in China entwickelt. Es gilt bis heute als eine der edelsten Porzellanarten. Die hohe Lichtdurchlässigkeit des Scherbens verleiht dem Material die besondere Erscheinungsform und eröffnet unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten. In dem Projekt „Kunst aus Knochenporzellan – eine experimentelle Materialforschung“ stehen die Erforschung von Knochenporzellan und dessen praktische Anwendung in der Kunst sowie in den angewandten Bereichen im Mittelpunkt.

Die charakteristische Transparenz des Porzellans entsteht durch die Beimischung von tierischer Knochenasche in die Rohmasse. Durch Experimente bei der Formgebung und der Materialverarbeitung werden gestalterische und technische Ansätze verfolgt: So sollen die transparenten Eigenarten herausgearbeitet und unterschiedliche Anwendungsfelder erprobt werden. In diesem Zusammenhang werden die Kulturgeschichte des Knochenporzellans sowie ethische Fragestellungen hochschulübergreifend diskutiert.

Ausgangspunkt für die Zusammenarbeit zwischen Regine Herzog und Prof. Dr. Bastian Raab ist die Werkstatt für Gips- und Keramiktechniken an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Für das LEONARDO-Projekt „Eternipedia“ besuchte Bastian Raab von der Fakultät Werkstofftechnik der Technischen Hochschule Nürnberg Regine Herzog in ihrer Werkstatt auf dem Campus der Kunsthochschule, um mit ihr in einen fachlichen Austausch zur Herstellung von Gipsformen zu treten.

Aus diesem Gespräch entwickelte sich die Idee, gemeinsam die Möglichkeiten von Knochenporzellan zu erforschen. In einem gemeinsamen Schaffensprozess arbeiten Regine Herzog und Bastian Raab an der Entwicklung unterschiedlicher Formen, die der besonderen Herstellung und Herkunft sowie den Eigenschaften von Knochenporzellan gerecht werden. Mit dem 3D-Drucker entstehen Formen, die in Gipsmodelle umgewandelt werden. 

Die fachliche Expertise zu Abformungsprozessen, der Gipsformenherstellung und Gestaltungsansätzen der Künstlerin Regine Herzog bildet gemeinsam mit der wissenschaftlichen Analyse der Produktions- und Sintervorgänge durch Bastian Raab an der Fakultät für Werkstofftechnik die Grundlage für die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Die Zusammensetzung des Schlickers sowie die Oberflächenbehandlung und der Brennprozess werden analysiert und so aufeinander abgestimmt, dass die Lichtdurchlässigkeit des Scherbens besonders gut zur Geltung kommt. Im Rahmen des Projekts wird dabei mit unterschiedlichen Lichtobjekten experimentiert. 

Die Verwendung organischen Materials spiegelt sich in den Formversuchen wider. Neben den 3D-gedruckten Objekten werden Formen aus Pilzen und Flechten und anderen organischen Objekten gewonnen. Als verlorene Form werden sie gegossen und gebrannt; die ursprüngliche Substanz entmaterialisiert sich und bleibt schließlich nur in ihrer äußeren Hülle bestehen. Die Fragilität der gewonnenen, im Vergleich zum Ausgangsobjekt dauerhaften Objekte wird durch die Illuminierung von innen zusätzlich betont.

Projektbeteiligte:

  • Regine Herzog

    Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, Werkstatt für Gips- und Keramiktechniken

  • Prof. Dr. Bastian Raab

    Technische Hochschule Nürnberg, Fakultät Werkstofftechnik

  • Gloria Sogl

    Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, Freie Malerei, Studentin

  • Manuel Salg

    Technische Hochschule Nürnberg, Fakultät Werkstofftechnik, Student

  • Christian Rottmann

    Technische Hochschule Nürnberg, Fakultät Werkstofftechnik, Student

  • Angelika Huber

    Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, Freie Kunst

  • Achim Rübling

    Technische Hochschule Nürnberg, Fakultät Werkstofftechnik

  • Erika Dörsch

    Technische Hochschule Nürnberg, Fakultät Werkstofftechnik

  • Josef Müller

    Technische Hochschule Nürnberg, Fakultät Werkstofftechnik