Allspace default

Eines Tages wird der Weißstorch darüber erstaunt sein, dass ein menschliches Lebewesen mit maschineller Zuverlässigkeit, genauester Berechnung von Position, Höhe und Geschwindigkeit seinen Flügelschlag an Big Data sendet. Sein Körper fungiert als passive Datenquelle im Dienst neuer Technologien. Ihm wird unbehaglich vom Gewicht des an ihm montierten Sensor, der systematisch Daten von ihm extrahiert. Er wird sich fragen, wie sich dieses Wissen in seinen eigenen Körper eingraviert hat und ihn in diesem Prozess zunehmend marginalisiert. Er wird irritiert sein von Funksignalen und Lärm.
Wird er sein Tracking-Gadget als Fremdkörper empfinden oder es sich sogar als zweiten Körper aneignen? Ob der Weißstorch sich tatsächlich darüber wundert, ist eine reine Spekulation. Aber trotzdem ein Beispiel für das manipulative Potential der Satelliten-Telemetrie, sich in das Verhältnis von Maschine, Lebewesen und Umwelt einzuschreiben.

Grafik Allspace Default
Allspace default © Charlotte Funk, Rusa Morke, Ulla Müller

Das Projekt “Allspace Default” der Künstlerinnen Ulla Müller, Rusa Morke und Charlotte Funk will die Gesellschaft für sensorische Technologien sensibilisieren. Es setzt sich künstlerisch spekulativ mit den Themen Sensorik und Satelliten-Telemetrie auseinander, insbesondere im Hinblick auf deren Eignung als Schlüsseltechnologien für den Klimaschutz.

Das Projekt nimmt die Zunahme von Mikroelektronik im täglichen Leben zum Anlass, um über die Rationalisierung und Gestaltung der menschlichen Lebens- und Umwelt zu reflektieren. Dieser Trend steht in direkter Verbindung mit der Verbreitung des „Internets der Dinge“ und der Erwartung einer vollständigen Verschmelzung von Mensch und Technologie. Die abschließende Ausstellung durchleuchtet die fiktiven Potentiale von Mikroelektronik und Messtechnik angesichts der Klimakatastrophe.

Die künstlerische Forschung des Projektes konzentriert sich ganz auf akute Fragen: Welche künftigen Entwicklungen lassen sich aus heutigen Daten ablesen? Wie lässt sich menschlichen Leben durch Mikroelektronik nachhaltiger gestalten? Werden wir künftig unsere Körper für Satelliten-Telemetrie freiwillig zu Verfügung stellen, um zum Klimaschutz beizutragen? Werden zukünftig die Sensoren-Gadgets, die wir heute noch in Form von Wearables an unseren Körpern tragen und die Welt um uns herum erfassen und messen, uns zu Cyborgs transformieren? Wie wollen wir unser gesellschaftliche Zusammenleben angesichts des Klimawandels gestalten und welche Technologien können und wollen wir uns dafür einsetzen?

Terminankündigung

Die Abschlussausstellung des Projektes findet im „Space Between“, S-Bahn Steinbühl, vom 22. September bis 02. Oktober 2022 statt. Weitere Informationen folgen.

Grafik Allspace default
Allspace default © Charlotte Funk, Rusa Morke, Ulla Müller

Projektbeteiligte:

  • Ulla Müller

    AdBK Nürnberg, Freie Kunst, Studentin

  • Rusa Morke

    TH Nürnberg, Design, Studentin

  • Charlotte Funk

    TH Nürnberg, Design, Studentin

Kooperationspartner*innen: