Auf der Leitung stehen

Das Projektseminar untersucht die versteckten Intelligenzen der Infrastrukturen, die unsere Welt unterminieren, versorgen und entsorgen. Die technologischen, kulturellen, politischen, sozialen, ökologischen und ökonomischen Ursachen und Wirkungen meist unsichtbarer und unscheinbarer Systeme sollen auf vielfältige Weise entdeckt, erforscht, freigelegt und kritisch sichtbar gemacht werden. Historische und lokale Infrastrukturen ­– wie die Nürnberger Kanalisation, die bekannte erste Eisenbahnstrecke Nürnberg-Fürth oder das ehemalige Reichsparteitagsgelände – verweben sich mit zeitgenössischen und zukünftigen Infrastrukturen – wie lokalen, offenen Mesh-Netzen, globalen Machine Learning und AI Systemen, Crypto Ökonomien (DAO, NFT, etc.), Deep Web und Darknet oder Ressourcenlogistik (Rare Earth, Shipping, GPS, etc.). 

Wie kommt es von der kunstgewerblichen Modellwerkstätte, die Heinrich und Margarete Diehl 1902 in Nürnberg gründeten, zu autonomen Waffensystemen, die heute in aller Welt zum Einsatz kommen? Was hat Martin Behaims „Erdapfel” (1492), der älteste erhaltene Globus der Welt, mit den Deep Learning Facial Recognition Systemen zu tun, die in den öffentlichen Toiletten Beijings Klopapier ausgeben? Gibt es Verbindungstunnel zwischen der Frühgeschichte des Bergbaus in Franken und dem Crypto-Mining in der Mongolei? Welche Knoten verbinden Tiefseekabel mit dem Amazonas und Amazon? Wie könnten die analogen und digitalen Infrastrukturen der Zukunft aussehen und welche Formen von Intelligenz, Kunst und Technologie könnten oder müssten sie hervorbringen?

Auf der Leitung stehen Symbolbild

Im Rahmen des Projektseminars sollen gemeinsam in der Gruppe wie auch individuell Methoden entwickelt werden, Fragen dieser Art nachzuforschen und Übersetzungsmöglichkeiten an den Schnittstellen von Kunst, Technologie und Musik zu erfinden. Diese reichen von historisch-kritischer Forschung und Archivarbeit über Diskussionsgruppen und Expeditionen in der Region bis hin zur Entwicklung von Soft- und Hardware, Kompositionen oder künstlerischen Produktionen.
Abschließend ist die gemeinsame Umsetzung einer Ausstellung im Rahmen des Art Weekends Nürnberg in der Akademie Galerie vom 2. bis 24. Oktober 2021 geplant.

Paul Feigelfeld ist Kultur- und Medienwissenschaftler, derzeit Fellow am IFK Wien und Mitglied des Exzellenzclusters „Matters of Activity“ an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2019 war er Gastkurator der Vienna Biennale am MAK – Museum für Angewandte Kunst Wien und realisierte dort die Ausstellung „Uncanny Values. Artificial Intelligence & You“.

Projektbeteiligte: TBD